Die Bärenübung im Spiel der Fünf Tiere (Wu Qin Xi 五禽戲)

Ursprung und Schwierigkeit
Das Spiel der Fünf Tiere gehört zu den ältesten dokumentierten Qigong-Systemen – die Zuschreibung an den legendären Arzt Hua Tuo (ca. 140-208 n.Chr.) verweist auf schamanische Wurzeln, die weit tiefer reichen als die historische Figur selbst. Die fünf Tiere – Tiger, Hirsch, Bär, Affe, Kranich – verkörpern distinkte Bewegungsqualitäten und organische Korrespondenzen.
Unter den Qigong-Übungen zählt das Spiel der Fünf Tiere zu jenen mit hohem Schwierigkeitsgrad. Die Übungen sind außerordentlich lebendig – sie entwickeln sich aus einer Vielzahl von Vorstellungen über das jeweilige Tier: dessen Charakter, Gestalt, Bewegungsweise, Gestik, Mimik, Blick, Handhaltung und Kraftentfaltung. Wer es gut macht, erzeugt etwas Schönes; wer es noch nicht gut macht, kann das niemand verbergen.
Der Bär als Heiler: Eine zirkumpolare Tradition
Die Verbindung zwischen Bär und Heilung reicht tiefer als jede einzelne Kulturtradition. Archäologische Funde belegen Bärenkulte, die möglicherweise bis ins Mittelpaläolithikum zurückreichen – Bärenschädel, in Kreisen angeordnet, in Höhlen von der Schweiz bis Slowenien. Ob diese Arrangements tatsächlich auf Neandertaler-Rituale verweisen oder natürliche Ablagerungen darstellen, bleibt umstritten. Eindeutiger ist die ethnographische Evidenz: Von den Sami in Skandinavien über die Nivkh in Sibirien, die Ainu in Japan bis zu den indigenen Völkern Nordamerikas – überall galt der Bär als Ahnengeist und Heiler.
Die Anthropologin Felicitas Goodman (1914-2005), Gründerin des Cuyamungue Institute, identifizierte in ihrer Forschung zu rituellen Körperhaltungen eine spezifische „Bear Spirit Posture“, die sich auf Artefakten verschiedenster Kulturen findet – manche davon bis zu 6000 Jahre alt. Goodmans zentrale Erkenntnis: Darstellungen auf prähistorischer Keramik, in Höhlenmalereien und auf Figurinen sind keine bloßen Kunstwerke, sondern kodierte Ritualanweisungen. „Wenn man eine solche Haltung einnimmt, macht man eine solche Erfahrung“ – so ihre Grundthese, die sie mit hunderten von Versuchspersonen überprüfte.
Die Bear Spirit Posture, so Goodmans Forschung, dient der Heilung und Wiederherstellung von Balance. In Trancezuständen, die durch rhythmische Stimulation (etwa 200-220 Schläge pro Minute mit Rassel oder Trommel) induziert wurden, berichteten Teilnehmer übereinstimmend von Begegnungen mit dem „Großvater Bär“ – einer Präsenz, die hinter ihnen stand, die mit Klauen emotionale und physische Blockaden aufriss, die intensive Hitze erzeugte, die als Heilungszeichen gedeutet wurde. Belinda Gore, eine von Goodmans prominentesten Schülerinnen, dokumentierte diese Erfahrungen systematisch: Der Bärengeist absorbiert negative Gefühle, öffnet den Körper, infundiert neue Energie.
Diese Befunde werfen ein neues Licht auf das chinesische Bärenspiel. Die Übung steht nicht isoliert in einer rein chinesischen Tradition, sondern partizipiert an einem zirkumpolaren Erbe, das Heilung, Erdverbundenheit und die Transformation durch den Bärengeist verbindet.
Der Charakter des Bären
Die zirkumpolaren Kulturen – Sami, Ainu, Nivkh, die indigenen Völker Nordamerikas – teilten ein erstaunlich konsistentes Bild vom Wesen des Bären, das weit über bloße Tierbeobachtung hinausgeht.
Der Bär verkörpert ruhende Kraft. Seine physische Überlegenheit ist nicht demonstrativ, nicht aggressiv – sie ist potentiell, wartend, in sich gesammelt. Bei den Ainu galt Kim-un Kamuy, der Bärengott, als Verkörperung von Stärke, Mut und Weisheit zugleich. Er weiß mehr als er zeigt. Äußerlich tapsig, innerlich klug – dieses Paradox durchzieht alle Bärenkulturen und findet sich wörtlich in der chinesischen Beschreibung wieder: Das Aussehen des Bären ist einfältig und dümmlich, aber innen ist er klug.
Der Bär ist Mittler zwischen den Welten. Bei den Sami konnte seine Seele sich frei zwischen der natürlichen Welt und der Anderswelt bewegen – er fungierte als Botschafter zwischen Göttern und Menschen. Bei den Ainu nahmen die Götter Bärengestalt an, wenn sie die Menschenwelt besuchten; der Bär war nie nur Tier, immer auch Theophanie. Die Nivkh betrachteten jeden Bären als Sohn des Waldgeistes Pal Yz, untrennbar mit dem Territorium verbunden.
Diese Mittlerfunktion erklärt die Heilkraft des Bären. Er bewegt sich zwischen den Ebenen, kann deshalb Ungleichgewichte korrigieren, die aus der Störung dieser Ebenen entstehen. In Goodmans Forschung wie in den indigenen Traditionen: Der Bär heilt durch Wiederherstellung von Balance, absorbiert Negatives, reißt Blockaden auf, infundiert neue Energie.
Alle Bärenkulturen kannten die Ambivalenz von Sanftheit und Wildheit. Der Bär ist zu ehren und zu fürchten, zu verehren und zu jagen. Die Bärenmutter, zärtlich mit ihren Jungen, verwandelt sich in rasende Gewalt, wenn diese bedroht werden. Diese Doppelnatur – weich und hart, Yin und Yang – macht den Bären zum idealen Lehrer für die Kultivierung von Gegensätzen.
Der Schritt des Bären ist fest und schwerfällig, als würde er auf Lehm waten. Seine Schwere ist keine Schwäche, sondern Ausdruck tiefer Erdverbundenheit. Doch darf man die Schwerfälligkeit nicht übertreiben – in jedem Schritt zeigt sich auch Gewandtheit. Die Ruhe des Bären ist gesetzt, erdverbunden, stabil. Es ist die Ruhe von Menschen, die ein einfaches Gemüt haben, nicht leichtsinnig handeln und fest mit beiden Beinen auf dem Boden stehen.
Das Paradox von Yin und Yang
Gerade hier liegt die Schwierigkeit der Übung: Qigong ist immer Übung von Yin und Yang. In der Gesetztheit muss man nach Behendigkeit suchen, in der Schwere die Leichtigkeit zeigen, in der Einfalt die Klugheit zum Ausdruck bringen, im Innehalten nach Ausdehnen und Hervorkommen streben, in der Schwerfälligkeit Gewandtheit darstellen.
Außen und Innen ergänzen einander: Das Aussehen des Bären ist einfältig und dümmlich, aber innen ist er klug. Die äußeren Bewegungen sind sanft und schwerfällig, aber innen ist der Bär stark, gewandt und flink. Die äußere Gestalt ist schwer und nach unten sinkend, aber innen gibt es Leichtigkeit und Aufrichtung.
Allerdings muss man die Leichtigkeit eines Bären zum Ausdruck bringen – die Leichtigkeit des Bären ist nicht die Leichtigkeit einer Feder, nicht die Leichtigkeit des Fliegens.
In Bewegung und Haltung übt man das Innehalten (Yin). Auch im Gesicht, in der Mimik und im Blick kommt dies zum Ausdruck. Der Blick, der nach außen dringt, ist von gesetzter Ruhe. Hauptsächlich aber ist der Blick nach innen gerichtet, zum mittleren Dantian. Doch auch das Innehalten darf man nicht übertreiben: In den schließenden Bewegungen gibt es auch Ausdehnung, in den nach innen gerichteten Kräften gibt es auch Hervorkommen.
Typische Kraftentfaltungen
Die charakteristischen Kraftqualitäten des Bären sind das Rütteln und Schütteln, das Sich-Anlehnen und das Nach-oben-Heben.
Das Rütteln und Schütteln sieht aus, als ob der Bär grimmig an einem Baum rüttelt. Dabei zeigt er seine enorme Kraft in den Schultern. Der Ursprung dieser Kraft liegt im Dantian und der festen Verwurzelung in der Erde.
Das Sich-Anlehnen sieht aus, als ob der Bär seinen Rücken an einem Baum reibt.
Alle Kraftentfaltungen im Spiel des Bären sind mit einer spiraligen, wringenden Kraft verbunden. Die Kräfte des Sich-Anlehnens und Nach-oben-Hebens entwickeln sich hauptsächlich aus der unteren Stabilität, aus der Kraft der Beine – sie zeigen sich im oberen Körperbereich, vornehmlich in den Schultern.
Die äußeren Bewegungen des Bären sind Bewegungen mit großer, runder Kraft. Die feinen inneren Bewegungen ergeben sich aus den nach unten gehenden, drehenden, bohrenden, spiraligen Kraftvorstellungen. Durch die stets wirksame spiralige Kraftanwendung wird eine Harmonisierung aller Meridiane erreicht.
Die Hände des Bären
Die typischen Handhaltungen sind die Hohlfaust und die hohle, gewölbte Handfläche – die Bärentatze.
Mit dem Üben der Hohlfaust sammelt und speichert man Qi in der Handfläche, besonders im Laogong-Bereich. Wird die Hohlfaust geöffnet, fließt das gespeicherte Qi in alle fünf Finger. Der Ursprung dieses Qi ist das mittlere Dantian.
Die lockere Hohlfaust umschließt die entspannte Handfläche, in der sich das Qi sammelt. Während der Bewegungen öffnen und schließen sich die Fäuste ein wenig, gleichsinnig mit der Gesamtbewegung der Arme. Das Öffnen und Schließen der Bärenfäuste hat seine Entsprechung in den Füßen – auch hier gibt es Ausdehnung und Sammlung. Durch die Einbeziehung aller Körperteile kommt man nach langem Üben zu einem Gefühl der Vollständigkeit, des Einklangs zwischen allen Körperteilen, Kräften und Empfindungen.
Bemerkenswert ist die strukturelle Ähnlichkeit zur Bear Spirit Posture aus Goodmans Forschung: Dort werden die Hände ebenfalls vor dem Bauch gehalten, die Finger leicht gekrümmt, als würde man ein Ei umschließen – eine Konfiguration, die ein Dreieck über dem Nabel bildet. Obwohl aus völlig verschiedenen kulturellen Kontexten stammend, deuten beide Praktiken auf eine gemeinsame somatische Logik: Der Bär manifestiert sich im Körper durch Zentrierung, Sammlung, Verwurzelung.
Das Sinken des Qi
Charakteristisch für den Bären ist das Leiten der Vorstellungskraft nach unten – das Sinken des Qi, wie es dem schweren, gesetzten Charakter entspricht. Eine wichtige Vorstellung ist das Gehen im Wasser oder sogar im Schlamm. Dadurch wird das Qi gesenkt, und die Fuß-Meridiane werden stark beeinflusst.
Doch ist darauf zu achten, dass diese Vorstellungsübungen nicht ins Extrem gebracht werden. Die Beine dürfen sich nicht schwer und bleiern anfühlen, das Gehen im Wasser darf nicht zu mühsam empfunden werden. Bei allen nach unten leitenden Übungen darf man das Bewahren der Vorstellungskraft im mittleren Dantian nicht vergessen.
Die Vorstellungskraft wird während der gesamten Übung im mittleren Dantian bewahrt – hier ist die Wurzel. Daneben liegt die Aufmerksamkeit auch im Bereich der Yongquan an der Fußsohle. Das Bewahren der Vorstellungskraft im Nabelbereich gelingt relativ leicht, deshalb nennt man das vordere Dantian auch den „Türgriff in das Haus des Qigong“. Das Spiel des Bären steht am Anfang der Übungsreihe, um einen guten Zugang zum Wesen des Spiels der Fünf Tiere zu ermöglichen.
Bär und Kranich: Das komplementäre Paar
Der Bär ist tapsig, schwerfällig und erdverbunden. Der Kranich ist leichtfüßig und gewandt, schwerelos fliegt er in den Lüften. Mit dem Spiel des Bären übt man das Innehalten und Schließen, mit dem Spiel des Kranichs das Ausdehnen und Öffnen.
Die Unterschiede zwischen beiden Spielen sind sehr deutlich. Deshalb werden sie häufig als sich ergänzende Übungen zusammengestellt, um eine gute Ausgewogenheit von Yin und Yang zu erreichen. Das Spiel des Bären legt die Grundlage durch das Sinken des Qi und das Bewahren des Qi im Dantian. Auf dieser Grundlage kann man die leichte, fliegende Übung des Kranichs ausführen.
Ein Bild aus der Tradition: Der Bär bummelt auf zu Eis gefrorenem Strand, der Bär brummt auf schneebedeckter Erde, sein Brummen ist so gewaltig, dass es scheint, als berste das feste Eis.

Wirkung und Anwendung
Mit dem Spiel des Bären übt man vor allem Stabilität, Ausgewogenheit und Ausgeglichenheit. Der Charakter des Bären ist Yin – schwer, gesetzt, langsam –, aber innerlich ist er in üppigem Yang-Zustand: kräftig, gewandt, flink. Das Spiel des Bären hat eine ausgezeichnete Wirkung auf die Balance von Yin und Yang.
Die bereits beschriebene Zentrierung im Dantian stärkt und kultiviert das Qi der Mitte und fördert eine tiefe Bauchatmung. Durch das Sinken des Qi entwickelt sich auf natürliche Weise eine ruhige Atemführung. Diese verbessert die Atemfunktion und hat durch die Vergrößerung der Zwerchfellamplitude eine Massagewirkung auf alle Bauchorgane, wodurch deren Funktion verbessert wird.
Die Funktionskreise Milz und Magen, die dem Mittleren Erwärmer zugeordnet sind, werden reguliert und gestärkt. Gemäß der traditionellen chinesischen Medizin sind diese Funktionskreise der Wandlungsphase Erde zugeordnet. Die Wandlungsphase Erde gilt als das nährende Prinzip – die alten Ärzte sagten oft: „Die Erde gibt allen zehntausend Wesen Nahrung.“
Die Funktionskreise Milz und Magen sind die Grundlage für das erworbene Qi (nachgeburtliches Qi), also für den Aufbau des gesamten Organismus und für den ständigen Nachschub an nährenden Substanzen. Befindet sich das erworbene Qi in üppigem Zustand, übt es eine nährende Funktion auf das vorgeburtliche Qi und somit auf den Funktionskreis Niere aus. Der Funktionskreis Niere gilt als Speicher der Essenz, aus dem alle anderen Funktionskreise versorgt werden. Deshalb bildet das Spiel des Bären das Fundament für Gesundheit und Heilung.
Die Jahreszeit, die dem Funktionskreis Milz zugeordnet ist, heißt „langer Sommer“ – damit sind die Übergangsphasen, die Zeiten zwischen den Jahreszeiten gemeint. Das Spiel des Bären soll man rund ums Jahr gleichmäßig üben.
Für wen eignet sich die Bärenübung?
Das Spiel des Bären ist sehr universell einsetzbar. Es eignet sich mit seinen sanften, milden, aber auch kräftigen Bewegungen für alle Menschen, ungeachtet des Alters und ungeachtet verschiedener Charaktere und Konstitutionstypen.
Für geschwächte und ältere Menschen eignet sich das Spiel des Bären besonders gut, da der Kraftaufwand sehr leicht an die Möglichkeiten des Übenden angepasst werden kann. Nach dem Verständnis der traditionellen chinesischen Medizin können Menschen mit schwacher Konstitution eine wesentliche Stärkung ihres Organismus erreichen, wenn sie das nachgeburtliche Qi pflegen und mehren und damit auch Einfluss auf das vorgeburtliche Qi nehmen.
Im Hinblick auf therapeutische Anwendung wird das Spiel des Bären wegen seiner umfassenden Wirkung bei allen chronischen Erkrankungen eingesetzt. Es eignet sich gut zur Behandlung von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen in Muskeln und Gelenken, zur Regulation von zu hohem, zu niedrigem und labilem Blutdruck sowie zur Behandlung von Nervenschwäche.
Durch die Übung der nach hinten gehenden Rückenkraft ist die Wirkung auf den Dumai besonders ausgeprägt – Rücken und Lendenbereich werden gestärkt.
Die Ruhehaltungen
Jede Tierform hat mindestens zwei Ruhehaltungen – Stehen-wie-ein-Pfahl-Übungen, die sich bezüglich ihrer Wirkung auf das Öffnen und Schließen, Steigen und Sinken des Qi ergänzen. In der ersten Ruhehaltung wird das Sinken und Schließen (Yin) betont, in der zweiten das Öffnen und Steigen (Yang).
Zur Erhöhung des Übungsniveaus ist es unbedingt erforderlich, die Ruhehaltungen sorgfältig mit langsam sich steigernder Übungsdauer zu praktizieren.
Die stehende Bärenhaltung – ob in der chinesischen Tradition oder in der von Goodman dokumentierten schamanischen Form – aktiviert tiefe Stabilisationsmuskulatur, trainiert propriozeptive Systeme, kalibriert das Gleichgewicht. Goodmans neurologische Untersuchungen zeigten messbare physiologische Veränderungen während der Trancehaltungen: erhöhte Beta-Endorphin-Spiegel (verantwortlich für das charakteristische Wohlbefinden), paradoxe Kombination aus sinkendem Blutdruck bei steigendem Puls – ein Zustand, den Schamanen traditionell als „kleinen Tod“ bezeichneten.
Der Bär als Fundament
Der Bär lehrt etwas, das unserer Kultur systematisch ausgetrieben wurde: die Würde des Langsamen, die Kraft des Schweren, den Wert des Verweilens. In einer Epoche permanenter Beschleunigung verkörpert er das Gegenmodell – eine Existenzweise, die nirgendwo hin muss, weil sie schon angekommen ist.
Die Übung gelingt nicht durch Anstrengung, sondern durch Loslassen. Der Körper sinkt in seine natürliche Schwere – eine Schwere, die trägt statt erschöpft. Die Erde wird zum Partner: Sie hält, der Bär gibt nach. Keine Gegenbewegung, kein Widerstand.
Das Spiel des Bären ist Ausgangspunkt – für die anderen Tierspiele, für die Gesundheit, für eine Praxis, die aus der Mitte wächst. Dass diese Praxis strukturelle Parallelen zu schamanischen Heilungshaltungen aufweist, die über den gesamten nördlichen Erdkreis verbreitet waren, vertieft das Verständnis dessen, was hier geschieht: Der Bär ist nicht bloß ein Tier, das nachgeahmt wird. Er ist ein Prinzip – Schwere, Heilung, Zentrierung –, das sich in verschiedenen Kulturen unabhängig voneinander in ähnlichen Körperformen manifestiert hat. Die chinesische Bärenübung partizipiert an diesem Erbe, ohne es zu kopieren. Sie ist eine eigenständige Ausformung eines menschheitsalten Wissens darüber, wie der Körper heilt, wenn er sich dem Bären anverwandelt.